Spielwiese für HR-Manager? Spannender Kommunikationskanal? Oder doch nur ein digitales Luftschloss? Immer mehr Arbeitgeber präsentieren sich auf Facebook. Warum eigentlich? Wo liegt die Trennlinie zwischen Karriere-Fanpage und Karriere-Homepage? Personalwerk spricht mit Arbeitgebern, die Facebook in ihren Personalmarketing-Mix integriert haben – diesmal mit Jan Patrick Turra, HR Manager im Geschäftsfeld Rolled Products der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH. Das Unternehmen ist am 28.10.2011 mit einer Karriere-Fanpage an den Start gegangen.
Herr Turra, die Facebook-Aktivitäten von Unternehmen der Metallindustrie halten sich bisher in Grenzen. Warum passen Hydro und Facebook so gut zusammen?
Wir glauben, dass Facebook im Zuge unserer Personalmarketingaktivitäten in Deutschland genau die richtige Plattform ist, um uns als Arbeitgeber erlebbar zu machen. Wir wollen direkt mit unseren Zielgruppen kommunizieren - und genau das scheint über Facebook am besten zu gelingen. Im Übrigen betreibt unsere Konzernmutter Norsk Hydro bereits erfolgreich eine norwegische Karriere-Fanpage auf Facebook.
Mit Ausnahme der Zielgruppe Schüler siezen Sie auf Ihrer Karriere-Homepage die Besucher. Auf Facebook hingegen zieht sich das „du“ durch …
Mit unterschiedlichen Ansprachen haben wir bereits in unserer Printkampagne positive Erfahrungen gesammelt. In der Projektphase für die Facebook-Fanpage haben wir diese Frage intern diskutiert. Allerdings waren wir uns schnell einig, dass wir auf Facebook das „du“ verwenden wollen. Das hat nichts mit gespielter Lockerheit zu tun – es entspricht vielmehr dem Charakter von Facebook. Ich bin mir sicher, dass die Menschen, die wir erreichen wollen, mit der unterschiedlichen Ansprache gut umgehen können.
Die grafischen Finessen der Unterseiten „Willkommen“, „Hydro-Standorte“ und „Hydro-Gewinnspiel“ gehen über das hinaus, was man bei Facebook gewöhnt ist. Lassen sich solche Features mit den Bordmitteln von Facebook realisieren – oder hat es einer gesonderten Programmierung bedurft?
Die unterschiedlichen Apps zählen sicher zu den Highlights unserer Karriere-Fanpage. Nicht nur das Layout, sondern auch die technische Umsetzung ist etwas Besonderes. Alle Apps laufen nahezu unabhängig vom Betriebssystem sowohl auf stationären und mobilen Endgeräten wie dem iPad. So etwas ist mit Bordmitteln allein nicht zu realisieren. Mit Personalwerk haben wir einen langjährigen Partner, der uns bei der Konzeption unterstützt und die Fanpage technisch umgesetzt hat.
Mittlerweile häufen sich die Beispiele von Unternehmen, die mit großem Aufwand eine Karriere-Fanpage auf Facebook starten, dann aber nur wenig Energie aufwenden, um die Seite am Leben zu halten. Wie wollen Sie eine dauerhaft hochfrequente Kommunikation sicherstellen?
Das war der umfangreichste Part unserer Projektarbeit! Denn auch wir beobachten, dass aufgrund mangelnder Planung und Pflege viele Facebook-Projekte scheitern. Deshalb haben wir uns entschieden, mit einem Kommunikationsplan zu starten, in dem derzeit zwei von uns gesteuerte Inhalte pro Woche vorgesehen sind. Betreut wird die Fanpage von zwei HR-Managern, die eine hohe Affinität zu Social Media haben. Darüber hinaus ermutigen wir alle Hydro-Mitarbeiter, sich aktiv auf der Seite zu beteiligen.
Ihre Facebook-Seite kommt bildlastiger und frischer daher als Ihre Karriere-Homepage. Ist Facebook ein Experimentierfeld für Ihr Personalmarketing?
Die Nutzung von Facebook ist für uns die konsequente Weiterentwicklung unseres Personalmarketings. Bei der Entwicklung der Fanpage war uns eines schnell klar: Wir wollen keinen Spiegel unserer Karriere-Homepage. Dies macht aus unserer Sicht wenig Sinn. Wir wollen uns durch die Bilder und Animationen als Arbeitgeber erlebbarer machen. Dabei ist es natürlich unser Ziel, die Nutzer neugierig auf Hydro als Arbeitgeber zu machen. Daher werden die Nutzer durch die entsprechenden Zielgruppenverteiler auf der Fanpage direkt zu den relevanten Informationen auf der Karriere-Homepage weitergeleitet.
Facebook ist derzeit das unangefochtene Schwergewicht unter den Social-Media-Plattformen. Was, wenn Konkurrenten wie Google+ gleichziehen? Würden Sie auch mehrere Fanpages auf verschiedenen Plattformen unterhalten?
Das ist eine Entwicklung die wir sehr genau beobachten - und hängt letztlich davon ab, wie die Nutzer die verschiedenen Plattformen annehmen. Für uns ist aber klar, dass wir uns nicht auf jedem Spielplatz tummeln können – schon aus Kapazitätsgründen. Deshalb wägen wir bewusst ab, wo wir uns präsentieren wollen. Und hier ist Facebook derzeit der unangefochtene Marktführer.
