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In stürmischen Zeiten zählen stabile Arbeitgeberwerte

Die neue Arbeitswelt nach Corona

Seit einem halben Jahr gibt es kein prominenteres Thema in Deutschland: Die Corona-Pandemie bestimmt die Nachrichten und das öffentliche Leben. Sicherlich haben die Entwicklungen der letzten Monate auch Sie und Ihr Unternehmen in Atem gehalten und einiges von Ihnen abverlangt. Bis zu 10 Millionen Menschen sind hierzulande in Kurzarbeit (gewesen) – und auf lange Sicht sind die wirtschaftlichen Folgen der weltweiten Krise noch gar nicht abzuschätzen. Keine leichte Zeit für Personaler*innen!

Trotzdem hat die Krise auch positive Entwicklungen im Sinne der Arbeitnehmer*innen beschleunigt, denn Corona ist regelrecht zum Booster für New Work geworden. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen mussten Sie vermutlich wie viele andere Unternehmen schlagartig umdenken und Ihre Arbeit quasi über Nacht flexibler und digitaler gestalten als je zuvor.

Doch was bleibt nach Corona von dieser Revolution der Arbeitswelt? Welche Veränderungen haben sich bei Ihnen bewährt und wie können Sie Ihre Erkenntnisse für die Zukunft nutzen?

Mittlerweile scheint das Schlimmste überstanden: Geschäfte und Restaurants sind wieder gut besucht, Kontaktbeschränkungen werden weiter gelockert, in den Alltag kehrt eine gewisse Normalität zurück. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die meisten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter*innen aus der Kurzarbeit und/oder dem Homeoffice zurückrufen. Für einige Errungenschaften, welche die Krise mit sich gebracht hat, wird es dagegen kein Zurück geben. Wagen wir also einen Blick in die Zukunft: Wie wird sie aussehen, die Arbeitswelt nach Corona?

Der Siegeszug der Digitalisierung geht weiter

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass es in vielen Berufen auch ohne Dienstreisen und die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz geht. Rund 40 Prozent der deutschen Arbeitsplätze eignen sich grundsätzlich fürs Homeoffice, aber nur bei zwölf Prozent wurde das digitale bzw. remote Arbeiten vor der Krise tatsächlich praktiziert. Das hat sich gründlich geändert: Online-Meetings, Video- und Telefonkonferenzen, cloudbasierte Workspaces etc. sind momentan gefragt wie nie, um Menschenansammlungen zu vermeiden und trotzdem den Betrieb aufrechtzuerhalten. Für die Arbeitnehmer*innen ergeben sich dadurch mehr Freiheiten bei der Gestaltung ihres Arbeitsalltags, aber auch Probleme wegen der ungewohnten Umstellung auf rein digitale Zusammenarbeit.

Damit man im Homeoffice genauso produktiv arbeiten kann wie im Büro, kommt es nämlich nicht nur auf funktionierende Technik an, sondern vor allem auf eine moderne Führung, die Mitarbeiter*innen auch unter erschwerten Arbeitsbedingungen leiten und motivieren kann. Deshalb wurde die Krise für Firmen, die die Zeichen der Zeit schon vor Corona erkannt hatten bzw. ohnehin auf digitale Tools und agiles Arbeiten setzen, zum echten Wettbewerbsvorteil. Überlebensnotwendige Technologien und Arbeitsmodelle, die in manchen Unternehmen noch als exotisch galten, sind nun vielerorts eingeführt worden und werden wohl – anders als die Anwesenheitspflicht – nicht mehr verschwinden.

Bewährungsprobe für Führungsstil und Unternehmenskultur

Das Arbeiten im Homeoffice setzt viel Vertrauen zwischen den Beschäftigten und ihren Vorgesetzten voraus. Denn mehr Flexibilität auf der einen Seite heißt auch weniger Kontrolle auf der anderen. Schreckensszenarien, in denen schwarze Schafe die Gelegenheit schamlos ausnutzen und im Homeoffice faulenzen, haben sich jedoch nicht bewahrheitet. In den meisten Fällen haben die Mitarbeiter*innen den abrupten Wechsel in den Extrem-Homeoffice-Modus gut gemeistert, sich schnell auf das digitale Arbeiten eingestellt und Höchstleistungen abgeliefert. Um die Motivation am Heimarbeitsplatz nicht zu verlieren, braucht es aber ebenso organisations- und moderationsstarke Führungskräfte, die gute Einzelleistungen auch aus der Ferne bemerken und würdigen, anstatt tagelang auf Tauchstation zu gehen.

Seit der Corona-Krise gibt es reihenweise Geschäftsführungen, die sich öffentlichkeitswirksam auf Social Media bei ihren Beschäftigten dafür bedanken, dass sie auch im Ausnahmezustand die Stellung halten. Die vielleicht wichtigste Lehre aus der Krise ist, dass gelebte Werte und eine empathische Führungskultur eben keine Schönwetterthemen sind, sondern ein echter Erfolgsfaktor. So wurde Corona zum kommunikativen Charaktertest, den jedoch nicht alle derart bravourös bestanden haben. Während die einen den Zusammenhalt in der Belegschaft beschworen, taten sich andere Unternehmen dadurch hervor, trotz staatlicher Hilfen wie dem Kurzarbeitergeld Stellen abzubauen und Abteilungen zu schließen – auch in Branchen, die durch die Krise nicht so gebeutelt sind wie der Tourismus und allen voran die Luftfahrt.

Jetzt und in Zukunft wird sich zeigen, ob das, was sich Unternehmen im Employer Branding als Arbeitgeberwerte auf die Fahnen geschrieben haben, auch noch in weniger guten Zeiten stimmt. Durch mangelhafte Kommunikation wurde mancherorts schon mehr als deutlich, dass in Wirklichkeit nicht die Wertschätzung, sondern die Wirtschaftlichkeit der Mitarbeiter*innen im Vordergrund steht. Einige Arbeitgeber konnten sich dagegen durch ein kompetentes Krisenmanagement und ein glaubhaftes „Wir schaffen das!“ in die Herzen ihrer Mitarbeiter*innen spielen. Es kommt eben darauf an, wie man seine Beschäftigten behandelt – insbesondere wenn Kurzarbeit oder gar Entlassungen aufgrund der wirtschaftlichen Lage unvermeidlich sind.

Die Aufwertung systemrelevanter Jobs

Wie nie zuvor hat die Corona-Pandemie ein Umdenken in Politik und Gesellschaft angestoßen, weil systemrelevante Berufe (zum Beispiel in der Pflege, Landwirtschaft, Fleischindustrie, im Versand- oder Lebensmitteleinzelhandel) teilweise katastrophale Arbeitsbedingungen bieten, schlecht bezahlt sind und viel zu selten gewürdigt werden. Statt die Zustände zu ändern, hat man lange auf „billige“ Arbeitskräfte aus Osteuropa und anderen Ländern gesetzt, um dem Fachkräftemangel in diesen Branchen zu begegnen. Bekannte Probleme, die jetzt endlich angegangen werden. Durch die mediale Aufmerksamkeit dank Corona könnte sich die Arbeitssituation für Millionen betroffene Arbeitnehmer*innen tatsächlich verbessern.

Auch der für viele wenig attraktive öffentliche Dienst könnte von der Krise profitieren, wenn er seine Trümpfe geschickt ausspielt und sich als krisenfester Arbeitgeber positioniert. Denn in unsicheren Zeiten suchen natürlich viele Menschen nach Halt und Beständigkeit. Die ohnehin zukunftssichere IT-Branche hat durch die Corona-Pandemie (so wie die Digitalisierung an sich) noch einmal einen Schub bekommen. Aber auch Unternehmen in der Gesundheits- und Pharmabranche können im Moment ihr Image aufpolieren und für ihre sinnstiftenden Jobs werben. Nicht zuletzt wissen mittlerweile fast alle (berufstätigen) Eltern die Arbeit von Erzieher*innen und Pädagogen zu schätzen – denn Homeschooling kann auf Dauer keine Lehrer*innen ersetzen und Kinderbetreuung ist nun mal ein Full-Time-Job.

Was Sie aus der Corona-Krise mitnehmen können

  1. Schaffen Sie für alle Jobs, die man zuhause erledigen kann, klare Homeoffice-Regelungen, die auch nach der Krise gelten.
  2. Treiben Sie die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen voran und sorgen Sie für einen schnellen Support bei technischen Problemen.
  3. Das Wir gewinnt: Setzen Sie auf einen kooperativen Führungsstil zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten.
  4. Bringen Sie Ihren Beschäftigten Vertrauen entgegen, loben Sie ihre Leistungen und zeigen Sie Verständnis für ihre Sorgen.
  5. Wenn Sie aktuelle Zahlen oder Entscheidungen Ihres Unternehmens kommunizieren, sollten Sie immer bedenken, dass Sie mit und über Menschen sprechen.
  6. Hinterlassen Sie einen bleibenden Eindruck: Ihre Mitarbeiter*innen werden sich genau daran erinnern, wie Sie in der Krise mit ihnen umgegangen sind.
  7. Nagelprobe fürs Employer Branding: Halten Sie unbedingt an Ihren Arbeitgeberwerten fest und profilieren Sie sich jetzt als verantwortungsvoller Partner.
  8. Begreifen Sie die aktuelle Situation als Chance, Ihre Arbeitswelt nachhaltig zu verändern und über neue Wege gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

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