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Mental Health ist nicht nur in Pandemiezeiten relevant

Unabhängig davon, ob der eigene Job schon vorher kräftezehrend war oder nicht – spätestens seit der Pandemie sind die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihrem Arbeitsalltag noch stärker gefordert. Entweder, weil Mehrarbeit durch den Wegfall von Kolleginnen und Kollegen aus Risikogruppen entsteht, die Doppelbelastung mit Kinderbetreuung dazukommt oder sich die Arbeitsabläufe verändern.

Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen auf Höchststand

Aus dem aktuellen Psychreport der DAK-Gesundheit geht klar hervor: Noch nie gab es wegen psychischer Erkrankungen so viele Ausfalltage im Job wie im Corona-Jahr 2020. Sie erreichten mit rund 265 Fehltagen je 100 Versicherte einen neuen Höchststand. Im Vergleich zu 2010 bedeutet dies eine Zunahme um 56 Prozent. Der Anstieg im vergangenen Jahr bei den Erwerbstätigen betraf vor allem die Frauen, bei den Männern verharrten die Fehlzeiten fast auf Vorjahresniveau. Ein psychischer Krankheitsfall dauerte 2020 durchschnittlich 39 Tage – so lange wie noch nie. Im Vergleich der Diagnosen waren Depressionen die wichtigste Ursache für Krankschreibungen. Bei den Anpassungsstörungen gab es mit acht Prozent den größten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.

Auch bei der internationalen Al@Work-Studie aus 2020 gaben 78 Prozent der Menschen an, dass sie sich in ihrem psychischen Wohlbefinden beeinträchtigt sehen. Sie machten sich nicht nur Sorgen um ihre Gesundheit, sondern hatten auch deutlich mehr Stress.

Work-Life-Balance ade – hello Workaholic

Die Bedingungen, unter denen Berufstätige heute ihrer Arbeit nachgehen, erfordern eine hohe Anpassungsfähigkeit, stellen sie vor neue Herausforderungen und den Anspruch, ständig verfügbar und erreichbar zu sein. Wenn die Trennung zwischen Arbeit und Privatem verschwimmt, ist häufig von „Entgrenzung“ die Rede, durch die die Selbstbestimmung über das eigene Leben abnimmt.

Warum Mental Health auch für Arbeitgeber relevant ist

In der Europäischen Union sind Schätzungen zufolge rund 50 Millionen Menschen von Depressionen, Erschöpfung und Suchterkrankungen betroffen. Gesellschaftlich werden emotionale und seelische Nöte oft tabuisiert und Betroffenen als Schwäche ausgelegt. Diese fühlen sich dadurch unverstanden und ausgegrenzt, was sich negativ auf Präventions- und Heilungsmaßnahmen auswirkt.

Das stellt nicht nur das Gesundheitssystem mit hohen Versorgungskosten zur Behandlung dieser Erkrankungen vor enorme Herausforderungen: Insbesondere soziale und wirtschaftliche Verluste, beispielsweise durch eingeschränkte Produktivität am Arbeitsplatz, führen zu einem betriebs- und volkswirtschaftlichen Schaden. Fehlzeiten, ein früherer Einstieg in die Rente und die Mehrbelastung für verbliebene Kolleginnen und Kollegen fordern vor allem kleine und mittelständische Unternehmen heraus.

Wie können Sie die mentale Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden positiv beeinflussen?

Es überrascht wenig, dass 85 Prozent der Teilnehmer an der oben erwähnten Al@Work-Studie sagten, dass die durch ihren Job verursachten psychischen Probleme auch ihr Privatleben beeinträchtigen. Erfreulich ist, dass schon während der Corona-Pandemie rund die Hälfte der Teilnehmenden psychologische Dienstleistungen oder Unterstützung von ihren Arbeitgebern angeboten bekamen. Auch Sie können viel für die mentale Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden tun:

  • Niedrigschwellige Angebote: Ob Yoga in der Mittagspause, Vorträge zu betrieblichem Gesundheitsmanagement oder ein externes Beratungsangebot – es gibt unzählige Möglichkeiten für nachhaltige Benefits. Wichtig: Erfolgsversprechend sind diese Angebote vor allem dann, wenn das Unternehmen tatsächlich dahinter steht
     
  • Bewusstsein schaffen: Häufig kommen wir erst mit dem Thema Mental Health in Berührung, wenn wir selbst oder nahe Personen in negativer Weise davon betroffen sind. Kommunizieren Sie aktiv, dass Sie entsprechende Angebote für Ihre Mitarbeitenden haben, indem Sie z.B. Plakate aufhängen oder diese im Intranet kommunizieren
     
  • Aufgabe für Führungskräfte: Haben Sie das Gefühl, Ihre Kollegin/Ihr Kollege hat deutlich mehr Stress und/oder hat sich sehr verändert? Meist sind Betroffene dankbar, direkt angesprochen zu werden, da sie es meist nicht selbst schaffen, über ihre Schwierigkeiten zu sprechen
     
  • Flexibilität: Die Möglichkeit zum mobilen, flexiblem Arbeiten ist für viele eine Entlastung, da das Pendeln entfällt und die Vereinbarung von Beruf und Familie einfacher ist
     
  • Bieten Sie einen interessanten Arbeitsalltag: Dieser ist nicht zu unterschätzen, denn Autonomie und Arbeitsvielfalt fördern psychische Gesundheit am Arbeitsplatz
     
  • Klare Trennung: Vor allem im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitszeit. Doch auch hier sollten Pause und Arbeitszeit klar erfasst werden, um sich von der Arbeit zu erholen. Werden Sie hellhörig, wenn eine Person sehr viele Überstunden leistet und klären Sie, wie diese vermieden werden können
     
  • Unterstützung bietet u.a. das Bundesgesundheitsministerium mit einer Kampagne die darauf abzielt, offen über psychische Gesundheit zu sprechen und Erkrankungen zu enttabuisieren

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