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Vier-Tage-Woche: Ist weniger gleich mehr?

Immer mehr Menschen wünschen sich weniger und flexibler zu arbeiten. Viel diskutiert wird in diesem Zusammenhang die Vier-Tage-Woche – was besonders viel Anklang bei Arbeitnehmer:innen findet. Verständlich, nur noch vier Tage arbeiten, klingt traumhaft, oder? Laut einer HDI Studie wünschen sich das 76 Prozent der Befragten.

Generell stößt das Arbeitszeitmodell auf viel Zuspruch auch in Politik und Wirtschaft, aber auch auf Kritik. Kurioserweise gehen die Meinungen vor allem beim Thema Fachkräftesicherung auseinander. Während die einen der Meinung sind, dass die Vier-Tage-Woche der Schlüssel dafür ist, diverse Berufe für Fachkräfte attraktiver zu gestalten, sagen die anderen, dass die Rechnung nicht aufgeht: Es gibt eh schon zu wenige Fachkräfte. Wenn die weniger arbeiten, geht gar nichts mehr. Besonders spannend ist dabei die Frage nach dem Geld: Heißt weniger arbeiten, weniger Geld?

Nur noch vier Tage arbeiten: Wie kann das aussehen?

Vier Tage arbeiten fürs volle Gehalt, zu schön um wahr zu sein? Zumindest ganz so einfach ist es nicht. Das Arbeitszeitmodell der Vier-Tage-Woche kommt in unterschiedlichen Varianten daher: grob lassen sich drei unterscheiden.

  • Variante eins: Es werden nur vier Tage statt fünf gearbeitet, was die tägliche Arbeitszeit erhöht. Sprich, bei einer 40-Stunden-Woche werden an vier Tagen dann zum Beispiel zehn Stunden gearbeitet.
  • Variante zwei: weniger Wochenarbeitszeit, aber auch weniger Lohn.
  • Variante drei scheint bei Beschäftigten am beliebtesten zu sein: weniger Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn. Das heißt: Die Arbeitstage bleiben gleich lang, dafür fällt ein Tag weg.

Mehr Zeit, weniger Geld oder doch voller Lohn, wie hätten Sie es gerne?

Vier Tage arbeiten, drei Tage frei und das bei vollem Lohnausgleich: dieses Modell ist bei deutschen Arbeitnehmer:innen am beliebtesten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Statista: 63 Prozent der Befragten würden unter dieser Voraussetzung eine Vier-Tage-Woche begrüßen. Wohingegen nur 14 Prozent dafür bereit wären, auch auf einen Teil des Gehalts zu verzichten. Natürlich sind dies keine repräsentativen Zahlen: Es kommt darauf an, wen man fragt. Starke Unterschiede zeigen sich etwa binnen der unterschiedlichen Altersgruppen. Vor allem bei den jüngeren Arbeitnehmer:innen der Gen Z findet das Arbeitszeitmodell Anklang sowie in der Altersgruppe unter 40 Jahren. Tendenziell scheint der Wunsch nach einer reduzierten Arbeitszeit bei Frauen höher zu sein als bei Männern.

Vier-Tage-Woche: ein Hirngespinst?

Wünschen kann man sich viel, aber wie realistisch ist so ein verkürztes Arbeitszeitmodell? Weniger arbeiten und dafür volles Gehalt, ist das nicht ein absurdes Hirngespinst? Dass die Vier-Tage-Woche kein Hirngespinst ist, zeigt sich daran, dass das Thema bereits im Mainstream angekommen ist. Viele fordern, einige haben getestet und andere haben die Vier-Tage-Woche bereits eingeführt. Sicherlich haben Sie mitbekommen, dass die IG Metall für die Stahlindustrie die Einführung der Vier-Tage-Woche fordert. Das Handwerk macht Nägel mit Köpfen: Viele haben bereits auf die Vier-Tage-Woche umgestellt.

Handwerk: Pioniere der Vier-Tage-Woche

Besonders experimentierfreudig zeigen sich in Deutschland kleinere Handwerksbetriebe. Die Berichterstattung über Friseursalons, Schreinereien etc., die auf das Vier-Tage-Woche-Modell umgestellt haben, schießen wie Pilze aus dem Boden. Die sind immerhin besonders gebeutelt vom Fachkräftemangel und nutzen das Modell, um für Bewerbende attraktiv zu bleiben. Und der Plan scheint aufzugehen, denn viele Betriebe berichten, dass seit der Einführung des verkürzten Arbeitszeitmodells mehr Bewerbungen reinflattern und zudem die Produktivität nicht leiden würde. Expert:innen sind sich einig: Arbeitsbedingungen, wie starre Arbeitszeiten, sind mit ein Grund dafür, dass es in Handwerksbranchen an Nachwuchs und Fachkräften fehlt.

Vier-Tage-Woche: Ein Blick nach Großbritannien

Sogar ganze Länder wagen das Experiment. Nach England hat kürzlich auch Spanien den großen Testlauf für das verkürzte Arbeitszeitmodell gestartet.

Im Vereinigten Königreich hatten zahlreiche Firmen die Vier-Tage-Woche ausprobiert. Darunter zum Beispiel Unternehmen aus dem Finanzsektor, IT, Baubranche und Gastronomie. An dem bisher größten Versuch weltweit beteiligten sich 61 Firmen mit rund 2900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Mitarbeiter:innen sind ausgeruhter, motivierter und fehlen seltener, 56 Unternehmen möchten das Modell sogar beibehalten. Aus welchen Gründen die anderen fünf Firmen das Modell nicht weiterführen, erfährt man leider nicht.

Vier-Tage-Woche: Ein Modell mit Zukunft?

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Einige sehen sich aufgrund der Studienergebnisse aus Großbritannien darin bestätigt, dass das Modell für viele Branchen – auch Bürojobs – Zukunft hat. Klar, wer will nicht motiviertere Mitarbeitende, die seltener krank sind. Was man dabei aber nicht vergessen sollte, es handelte sich bei der Studie um eine Positivauswahl an Unternehmen. Sprich, diese Unternehmen hatten sich für den Versuch beworben und somit generell Interesse daran, die Arbeitszeit für ihre Unternehmen zu verringern. Ein repräsentatives Studienergebnis sieht anders aus.

In der aktuellen Situation müssten wir eigentlich mehr arbeiten und nicht weniger. Besonders in Deutschland werden Arbeitskräfte demografisch betrachtet weniger. Aber arbeiten wir wirklich produktiver, wenn wir „mehr“ arbeiten? Lässt sich produktive Arbeit überhaupt daran festmachen, ob wir Montag bis Freitag acht Stunden arbeiten? Wie schwierig es ist, diese Fragen zum jetzigen Zeitpunkt pauschal zu beantworten, zeigt sich im aktuellen kontroversen Diskurs. Wir dürfen gespannt sein, wohin die Reise geht.

 

Quellen:

Deutschlandfunkkultur.de (2023): Vier-Tage-Woche – ein Zukunftsmodell.

FrankfurterRundschau.de (2023): Weniger arbeiten? Mehrheit der Deutschen lehnt Vier-Tage-Woche ab – vor allem FDP-Anhänger.

RedaktionsNetzwerkDeutschland.de (2023): Alle Unternehmen mit einer Viertagewoche berichten über sinkende Krankmeldungen.

SWRAktuell.de (2023): Gegen Fachkräftemangel: Handwerksbetrieb führt Vier-Tage-Woche ein.

tagesschau.de (2023): Weniger Fehltage durch Vier-Tage-Woche.

HDI.de (2022): HDI Berufe-Studie 2022.

SWRAktuell.de (2023): Experte: Vier-Tage-Woche ist in Deutschland nicht realistisch.

Blidnachweis: Dragon Claws

 

 

 

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